Redekreis

Der Redekreis

 
Wir sitzen im Kreis und verlangsamen unsere Kommunikation. Wir hören zu, ohne zu kommentieren, wir lauschen uns selbst und unseren Impulsen.
 
Im alltäglichen verbalen Kontakt sind wir oft schnell, geben so schnell Antwort, dass wir nicht fühlen, was wirklich da ist. Wir reagieren nach unseren Mustern und machen mit einer schnellen Reaktion weg, was gerade präsent ist. Meist betrifft das die eher unangenehmen Gefühle, aber auch schöne Dinge, wie ein Gefühl von Liebe und Zuneigung, für dessen Ausdruck wir uns aber meist wieder schämen, werden schnell übergangen.
 
Mit dem Redekreis haben wir einen Rahmen, der das Spüren fördert. So nehmen wir Gefühle in uns wahr, die wir sonst in einer „schnellen Reaktion“ verdrängen und die uns von der Authentizität trennen. Ein sehr hilfreicher Gegenstand um Zeit und Raum zum Spüren zu schaffen ist der Redestab.
Das Miteinander Wochenende
 
 
Viele Begegnungen,  achtsame Berührungen, eine Kommunikation, die verbindet und die tief in uns verwurzelte Form des Zusammenseins im Kreis sind Teil einer Miteinanderkultur, die du an diesem Wochenende kennenlernst.
Der Redestab
 
Der Redestab ist ein Gegenstand, der im Kreis herumgeht und demjenigen, der ihn hält für diese Zeit Raum, Aufmerksamkeit und die Möglichkeit zum Sprechen gibt. Der Redestab ist auch unabhängig vom Sprechen ein außerordentlich kraftvoller ritueller Gegenstand, der die Aufmerksamkeit auf unser Miteinander lenkt. Man könnte ihn auch Präsenzgegenstand nennen. Er fordert dich auf, dich demjenigen, der ihn hält mitfühlend zuzuwenden und achtsam wahrzunehmen, was in dieser Begegnung jetzt gerade in dir geschieht. 

Das können durchaus Gefühle wie Desinteresse oder Langeweile sein oder die Vorstellung der andere sein gerade traurig oder fröhlich. Vielleicht durchflutet dich aber auch gerade ein undefiniertes warmes Gefühl.  Es geht darum, nichts unter den Teppich zu kehren, sensibel zu werden für das, was da ist.

Probier es aus: Schließe die Augen, warte ... und nimm wahr, was jetzt gerade in dir los ist.

Das Einstimmungsritual

Wenn wir in einem Kreis zusammenkommen beginnen wir oft mit einem Ein- stimmungsritual, das uns darauf hinweist, dass wir einen besonderen Raum betreten, der sich von der Art und Weise unterscheidet, wie wir sonst zusammen sind.
Meistens ist es dabei sinnvoll mit einem Moment der Stille und Achtsamkei toder auch einer Körperachtsamkeitsübung anzufangen. So kommen wir bei uns selbs tund im Raum unseres Körpers an.

Dann geben wir uns die Hände und spüren den Kontakt mit unseren Nachbarn und dem Kreis. Dabei rufen wir  Absichten und Hoffnungen in den Kreis wie beispielsweise ein nährendes Ganzes zu entfalten, denn das wirkt wie eine Einladung an helfende Kräfte, und ist eine Orientierung für das Ganze (die Gruppenenergie). Danach beginnt der eigentliche Kreis.

Sharing
 
In unserem Kreis ist normalerweise kein Thema vorgegeben über das wir sprechen wollen. Es geht um uns, um unser Miteinander und darum was gerade präsent ist in uns. Um einen Einstieg zu finden können wir mit einer Runde beginnen, in der jeder seine momentane Befindlichkeit mitteilt.
 
In einer zweiten Runde ist Raum, für alles, was gesagt werden will. Derjenige, der einen Impuls dazu verspürt nimmt den Redestab und beginnt. Am Anfang ist es für viele Menschen irritierend, wenn von außen kein Thema vorgegeben ist, über das gesprochen werden kann, aber nur so ist wirklich Raum, für das, was in der Gruppe gerade da ist.

Was ist gerade präsent in dir?

Wenn dich der Redestab erreicht, dann solltest du in dich hinein spüren, was gerade in dir präsent ist. Das kann auch etwas sein, das aus den Begegnungen vorher noch da ist und dich jetzt immer noch bewegt. Es kann etwas sein, das im Kreis liegt, etwas, das ein anderer vorher ausgesprochen hat und, das immer noch in dir wirkt. Es kann auch ein Mensch sein, der noch gar nicht gesprochen hat und etwas in dir auslöst.

Es gibt einige Empfehlungen, die in diesem Prozess nützlich sein können. Sie sind aber keinesfalls als Regeln zu verstehen.

Bezugnehmen

Es ist hilfreich wenn du deine Aufmerksamkeit auch darauf lenkst, was die anderen in dir auslösen. Du darfst auf die anderen Menschen Bezug nehmen, denn das macht unser Miteinander aus. Du kannst mitteilen, wie wohltuend der warme Blickkontakt mit deinem gegenüber gerade war oder dass dir die laute Stimme des anderen Angst macht. Wenn du nichts spürst, dann kannst du auch das mitteilen. Es gibt kein richtig und falsch.

Sich zeigen
 
Das sich Zeigen ist ein wesentliches Element im Kreis und in der präsenten Kommunikation. Mich zeigen heißt wahrzunehmen, was gerade in mir präsent ist - was ich denke, fühle oder mir vorstelle - und es in den Kreis zu geben. Erst wennwir sichtbar werden für den anderen kann ein nährendes, schöpferisches Miteinander entstehen. Es gibt keine echte Begegnung, wenn ich nicht da bin. Auch meine Authentizität entsteht im erst im Miteinander.
 
Sich zeigen meint nicht sich darstellen, beeindrucken wollen, Verständnis bekommen wollen, zu lernen, wie wir zu unserer Meinung stehen, wie wir uns am besten durchsetzen, wie wir den anderen überzeugen, wie unser Selbstvertrauen wächst

 

Sich zeigen bedeutet mitzuteilen, was in diesem Moment der Begegnung in mir da ist. Das erfordert manchmal erheblichen Mut und ist sehr ungewohnt.  Aber nur wenn ich mich zeige, kann ich auch gesehen, gehört und berührt werden. Wenn ich mich verstecke kann mich das Leben nicht finden.