Präsente Kommunikation

Präsente Kommunikation
 
Wenn wir uns mit Worten begegnen, fällt es uns meist schwerer uns selbst und den anderen dabei noch zu spüren. Oft verlieren uns in den Inhalten und Themen und es entsteht kein wirklicher Kontakt, wir berühren den anderen nicht und wir lassen uns auch nicht berühren.
 
Um uns mit Worten wirklich zu begegnen müssen, wir lernen zu lauschen und von Herzen zu sprechen.
 
Damit ist eine Praxis und Haltung des Sprechens und des Zuhörens, gemeint, die auf Präsenz und Mitgefühl beruht. Im Folgenden wollen wir erklären, was hinter diesen Begriffen steckt.
Das Miteinander Wochenende
 
 
Viele Begegnungen,  achtsame Berührungen, eine Kommunikation, die verbindet und die tief in uns verwurzelte Form des Zusammenseins im Kreis sind Teil einer Miteinanderkultur, die du an diesem Wochenende kennenlernst.
Präsenz
Präsenz ist ein Grundelement der Kommunikation und unseres Miteinanders. Präsentsein bedeutet bewusst wahrzunehmen, was jetzt gerade im Kontakt bei dir  da ist, was du fühlst, denkst, glaubst oder dir vorstellst. Du gibst dem, was jetzt gerade in der Begegnung da ist, Wichtigkeit und Aufmerksamkeit. Ein schönes Wort dafür ist "lauschen".
 
Probiere es aus:
 Spüre einmal was, gerade alles  in dir ist, während du diesem Text begegnest. Wo ist dein Körper gerade? Was für Bilder oder Gefühle sind gerade da? Halte für einige Atemzüge inne lausche und schaue nach Innen, was da alles noch ist. Suche nichts. Wenn da nichts ist, ist es auch gut.
 
Das Innehalten ist sehr wichtig.  Wir müssen uns immer wieder daran erinnern und es langsam verinnerlichen. Viele kurze Moment des Innehaltens im Alltag sind dafür besser geeignet als ein Langer in einer speziellen Meditationsumgebung. Nach und nach entsteht so eine Haltung des Präsentseins, die du in jeder Begegnung und in jedem  Zuhören oder Sprechen einnimmst.
Probiere es aus:
Wenn du das nächste Mal mit jemandem im Gespräch bist, halte ab und zu mal einen Moment inne und nehme wahr, wie du dich fühlst oder wie du glaubst, dass der andere sich gerade fühlt.
Redestabkommunikation
Eine starke Form, die uns hilft   ein nährendes und schöpferisches Miteinander zu schaffen ist die Redestabkommunikation.
Mitteilen und sichtbar werden
In der Begegnung reicht es aber oft nicht aus bei der Wahrnehmung stehen zu bleiben. Weil wir nur bei uns selbst wahrnehmen können, ist unsere Wahrnehmung immer nur eine Vorstellung, von dem was außerhalb von uns und beim anderen ist.
 
Nur wenn wir unsere Vorstellungen teilen, indem wir sie mitteilen, werden wir wirklich sichtbar für den anderen und die Welt.  Solange wir es nicht wagen uns mit dem zu zeigen, was gerade in uns präsent ist und hinter unseren Masken verborgen bleiben, entsteht auch im Miteinander keine höhere Weisheit, kein nährendes Ganzes.
 
Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns mutig mit dem zeigen, was gerade in uns präsent ist.
Probiere es aus:
Wenn du das nächste Mal in einem Gespräch bist und du bemerkst, dass in diesem Kontakt plötzlich ein Gefühl präsent ist, vielleicht Freude, Wohlbefinden, Erschrecken oder Beschämung, so sei mutig und teile dem anderen mit, was da gerade in dir anwesend ist.
 
Du kannst auch ein Spiel daraus machen:
 
 
Mitgefühl
Ohne Mitgefühl  bliebe Achtsamkeit und Präsentsein eine reine Technik und könnte in kalte Gefühllosigkeit führen. Umgekehrt wäre es töricht ohne Achtsamkeit fürsorglich, freundlich und gütig zu sein. Präsenz und Mitgefühl gehören Natürlichweise zusammen.
 
Wenn wir unsere Präsenz in der Begegnung mit Anderen üben, so kommen wir automatisch auch in Berührung mit unserer „natürlichen Neigung zu Mitgefühl und liebender Güte“. An diese Neigung knüpfen wir an, wenn wir versuchen  „aus dem Herzen zu sprechen“.
 
 
 
Sprechen aus dem Herzen bedeutet aber keineswegs, dass wir immer etwas Schönes, Liebevolles ausdrücken sollen. Wir würden schwierige Gefühle wie beispielsweise Ärger auf jemanden oder Antipathie  ignorieren. Dann würden wir aus der Präsenz fallen und einem leere Ideal folgen.
 
Es beinhaltet immer auch auszudrücken, was gerade da ist. Das das kann auch Traurigkeit, Müdigkeit, das Empfinden von Zähigkeit und Wut sein. Das Aussprechen des Präsenten ist immer das Wichtigste.

 

So wie ein Vogel nur mit zwei
Flügeln fliegen kann, so müssen Präsenz und Mitgefühl
gleichzeitig entwickelt werden.
Mathieu Ricard, buddhistischer Mönch
”Wesentlicher als Religion ist unsere elementare menschliche Spiritualität. Das ist eine in uns Menschen angelegte Neigung zur Liebe, Güte und Zuneigung.“
Dalai Lama
”Man sieht nur mit dem Herzen gut.“
Antoine de Saint-Exupéry

 

Begegnung auf der Beziehungsebene
Ein Grund, warum wir uns oft nicht nahe kommen, die Begegnung oberflächlich oder kühl bleibt, selbst wenn wir über unsere Gefühle sprechen, ist, dass wir uns nicht auf der Beziehungsebene begegnen.
 
Begegnung und Kommunikation kann auf der Informations-, Emotions- und der Beziehungsebene stattfinden. Jede der Ebenen hat ihre Berechtigung und ihren Sinn. Oft reden wir über ein Thema, manchmal auch über unsere Gefühle. Damit aber eine nährende, schöpferische Kommunikation entstehen kann, müssen wir uns auch auf der Beziehungsebene begegnen.
 

Jede Begegnung, egal in welchem Rahmen, löst etwas in mir aus. Bin ich an der Begegnung interessiert, möchte ich ihr mehr Tiefe und schöpferische Kraft geben, so  kann ich, wenn ich das möchte, mich entscheiden meine Aufmerksamkeit darauf zu lenken, was gerade jetzt in genau dieser Beziehung zu diesem Menschen in mir geschieht.

Ich gebe der Beziehung Aufmerksamkeit und Wichtigkeit, nicht nur einem vielleicht vorhandenen Thema. Vielleicht freue ich mich über das Lachen des Menschen, vielleicht habe ich Angst, dass er mich nicht mag, ..... Wenn ich so etwas wahrnehme und auch mitteile, kann die Begegnung uns beide berühren und nähren.
 
 
Es ist ganz wesentlich Gefühle, auch wenn es unangenehme sind, da sein zu lassen und mutig und möglichst respektvoll mitzuteilen. Wenn in der Begegnung etwas zurückgehalten wird, weil es nicht da sein „darf“ , rutscht es unter den Teppich und wirkt in der Begegnung von dort unbemerkt als Saboteuer.
 
Diese Art der Kommunikation erfordert nicht, dass der andere „mitmacht“, beispielsweise „gewaltfrei kommuniziert“.  Sie stützt sich nur auf deine Präsenz, darauf, dass du mitteilst, was in dir geschieht, und deine Wahrnehmung und Befindlichkeit immer wieder in den Raum zwischen euch gibst.

Redestab-

Kommunikation

Eine sehr gute Form, die uns dabei unterstützt, uns auf der Beziehungsebene zu begegnen ist die Redestabkommunikation, sowohl zu zweit als auch in Gruppen. Hier entsteht ein strukturierter sicherer Raum, wo wir uns wechselseitig sofort auf das beziehen können, was der andere gerade in uns auslöst.
 
Die Redestabkommunikation kann unerwartete schöne, stimmige Ideen produzieren, in Konfliktsituationen Verstehen und Anteilnahme bewirken oder zu Entscheidungen führen, die niemand stillschweigend oder unbewusst sabotiert.
Probiere es aus:
Suche dir einen Menschen,  der gerne mit dir diese Begegnungs- und Kommunikationsform ausprobieren möchten. Es braucht dafür keine Vorerfahrung. Lade einfach die  Beschreibung und Anleitung herunter.
 
 
Kommunikationsempfehlungen
Hier findest du einige hilfreiche Empfehlungen für eine nährende und schöpferische Kommunikation.