Berührung und Achtsamkeit

Berührungskultur

Berührung ist die erste erlebbare und ursprünglichste Form menschlicher Begegnung. Sie ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Ohne liebevolle und einfühlsame körperliche Zuwendung fehlt uns etwas Lebensnotwendiges.
 
Aber in unserer Gesellschaft gibt es eine große Berührungsarmut. Unsere alltägliche Berührungskultur umfasst gerade noch das Begrüßungsritual. Außerhalb der Zweierbeziehung ist Berührung weitgehend tabuisiert. Berührungen werden leicht sexualisiert und unter Erwachsenen kultivieren wir wenig andere Berührungen.
 
Wir wollen deshalb Räume und Formen schaffen, um in Berührung  zu kommen. Wir wollen eine neue Berührungskultur entwickeln, die von Achtsamkeit, Mitgefühl und Intuition geprägt ist.
Bevor ich diese Welt verlasse, ist eines der Dinge, von denen ich mir wünsche, die ganze Welt würde sie wissen, dass menschlicher Kontakt durch die Verbindung von Haut, Augen und Klang der Stimme entsteht. Das sind die Dinge, die uns gelehrt wurden, bevor wir Worte hatten
Virginia Satir, Schriftstellerin

Berührungsqualität – Präsenz & Mitgefühl
Berührung kann schnell Wohlbefinden und Verbundenheit mit anderen Menschen schaffe. Dabei kommt es aber auf die Qualität der Berührung an.
Berühren wir uns zugewandt  aus einer achtsamen, mitfühlenden Haltung heraus, dann entwickelt Berührung eine nährende, schöpferische  und vielleicht auch selbstheilungsunterstützende Qualität. Sind wir ganz präsent in der Berührung, so kommen wir in Kontakt mit unserer natürlichen Neigung zu Mitgefühl, Güte und Liebe, unserer gemeinsamen menschlichen Urquelle.
Berührung erzeugt Gewahrsein und bringt uns mit der Welt in Kontakt.
Jon Kabat-Zinn, Pionier der Achtsamkeitsmeditation
 
Berührt sein - Im Körper sein
In unserer Zeit ist den meisten Menschen die liebevolle Verbundenheit mit ihrem Körper verloren gegangen. Körperlichkeit und auch Körperkontakt sind ein aber ein ganz wesentlicher Teil unserer menschlichen Existenz und bestimmen unserer Lebensqualität.
 
Durch Berührung entstehen existenziell notwendige Qualitäten wie das Gefühl aufgehoben, verbunden, akzeptiert und gehalten zu sein. Berührung erreicht uns damit auf einer sehr archaischen Ebene, wo es ein grundsätzliches Vertrauen in die Berührung gibt, das in unserer gemeinsamen Geschichte als Menschen und Menschheit wurzelt.
 

 

Berührung ist gesund
Berührung ist erwiesenermaßen gesund. Unser ständig durch Stress aktiviertes hormonelles Bedrohungssystem wird heruntergefahren, das Bindungssystem wird aktiv, das Wohlfühlhormon Oxytocin wird ausgeschüttet, das Immunsystem gestärkt, uns geht es gut.

Fremde Menschen berühren?
Berührung zwischen fremden Menschen gibt es normalerweise nur in einem formalen Rahmen. Dabei ist es eigentlich natürlich, dass wir uns wohltuend und liebvoll berühren. Es sind dazu nicht unbedingt Freundschaft und oder ein Beziehungspartner notwendig und das ist auch keine Garantie dafür. Auch mit unbekannten Menschen kann sich achtsame Berührung natürlich anfühlen. Wenn Berührung mit geschlossenen Augen stattfindet wird das besonders deutlich.

Angst vor Berührung
Berührung löst Gefühle aus. Es heißt emotional berührbar zu werden, sich zu zeigen und damit auch verletzbar zu werden. Neben den Schönen können auch schwierige Gefühle auftreten, das ist ganz natürlich. Wenn wir sie erlauben und uns damit zeigen, verlieren sie ihre Größe und Aufdringlichkeit.

 

Die Geschichte der Ulumani - Ein Märchen über achtsame
Berührung
Es war einmal vor langer Zeit in einem fernen Land, dort lebte der Stamm der Ulumani, bekannt auch als „die Berührbaren“. Die Menschen dieses Stammes waren sehr glücklich und zufrieden. Zudem waren sie sehr intelligent, kümmerten sich sehr mitfühlend um jedes einzelne Mitglied ihrer Gemeinschaft und es herrschte ein bescheidener Wohlstand. Die besonders warmherzige und heitere Ausstrahlung dieser Menschen war bis weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und von den umliegenden Völkern bestaunt ...
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